Es gibt einen Moment, den du gut kennst. Jemand kommt dir nah — wirklich nah — und für einen Atemzug ist es das Schönste, was du dir vorstellen kannst. Und im nächsten zieht sich etwas in deiner Brust zusammen, leise, fast unmerklich, als würde ein Teil von dir schon einen Schritt zurücktreten, während der Rest noch lächelt.
Du hast das lange für einen Fehler gehalten. Für etwas, das mit dir nicht stimmt. Aber es ist kein Fehler. Es ist eine Erinnerung. Ganz früh hast du gelernt, dass Nähe nicht immer sicher war — dass jemand, der heute warm ist, morgen kalt sein kann, ohne dass du verstehst, warum. Also hast du dir einen Schutz gebaut: nah, aber nie ganz. Da, aber mit einem Fuß schon an der Tür.
Das war klug. Damals hat es dich beschützt.
Heute beschützt es dich vor etwas, das du dir eigentlich am meisten wünschst: gesehen zu werden, ohne dich danach erklären zu müssen. Bleiben zu dürfen, ohne dass es kippt. Du sehnst dich nach dem, wovor du dich gleichzeitig fürchtest — und beides ist wahr, beides darf sein.
Du musst diesen Schutz nicht über Nacht abreißen. Du darfst ihn erst einmal nur anschauen. Ihm danken. Und dann, ganz langsam, ausprobieren, an einer einzigen sicheren Stelle einen Atemzug länger zu bleiben, als der alte Reflex es dir erlauben will.
